Bauchgefühl hat ausgedient

News-Filter Oliver Berchthold ist Mitgründer eines Start-ups, das Medienberichte und Stimmungen am Markt mit künstlicher Intelligenz analysiert. Er erklärt, wie sein Geschäft funktioniert und welche Summe er sich vom Investor Summit in Schaan erhofft.

MIT OLIVER BERCHTHOLD SPRACH DOROTHEA ALBER

Herr Berchtold, welche Geschäftsidee steht hinter Yukka Lab?

Oliver Berchthold: Idee ist es, mit unserer «Augmented Language Intelligence»-Technologie, die Vorteile modernster Technik den Experten aus der Finanzindustrie zur Seite zu stellen, damit sie ihre Arbeit noch besser und effizienter ausführen können. Yukka Lab analysiert und interpretiert professionelle Finanznachrichten in Englisch und Deutsch voll automatisiert und bildet deren Einfluss auf die Entwicklung der Finanzmärkte ab. Täglich werden über 200000 Artikel von der Software durchkämmt. Wir analysieren die Artikel mithilfe von NLP, maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz. Ziel ist es jedoch nicht, Menschen zu ersetzen, sondern sie zu ergänzen. Die Software kann viel mehr Daten analysieren und Medieninformationen rationaler bewerten. Und zeigt auf, wie sich die Stimmung zu Firmen und Sektoren gerade in den Medien entwickelt. Dadurch lassen sich Marktentwicklungen besser einschätzen und Vermögensverwaltern gewinnen ein Back-up für ihr Bauchgefühl.

Neben dem News Lab gibt es aber noch eine zweite Komponente, die Trends erkennt? Ja, wir haben noch das Trend Lab entwickelt. Jenes bildet auf Sektorenebene die lang- und mittelfristige Stimmung ab. Und generiert auf Basis von arithmetischen Finanzmodellen ein Früherkennungssystem für Trends und Trendwenden an Aktienmärkten. Wenn im Grossteil der Sektoren eine negative Stimmung herrscht, ist das Risiko am Markt einfach sehr hoch, und dann zeigt mir die Software an, dass ich meine Investitionsquote reduzieren sollte. Die Daten gehen bis auf das Jahr 2006 zurück und sind jetzt seit über drei Jahren live. Im Februar 2017 haben wir zusammen mit einem Kunden auch einen Aktienfonds aufgesetzt, der rein auf diesen Signalen basiert.

Wie kamen Sie und die anderen Gründer auf die Idee?

Andreas Pusch, der Gründer, kommt ursprünglich aus dem Satellitenbau. Ein Satellit wird rein mit Daten von der Erde aus gesteuert. Er kann aber automatisch und sehr präzise handeln und zum Beispiel hochauflösende Bilder liefern. Grössere Veränderungen auf der Erde, die wir gar nicht mitbekommen, kann er genau erkennen. Als er später in die Finanzbranche wechselte und sich mit Finanzmodellen beschäftigte, fehlte immer ein Indikator für die Stimmung, weshalb er sich daranmachte, diesen zu entwickeln. Nun haben wir ein System geschaffen, mit dem die Medienlandschaft überblickt und bei Bedarf reingezoomt werden kann bis auf Stufe eines einzelnen Unternehmens ja sogar Artikels, wie bei einem Satelliten.

Gibt es einen Konkurrenten, der eine ähnliche Idee hat?

Weltweit gibt es lediglich eine Handvoll Konkurrenten. Keiner dieser Konkurrenten bietet jedoch eine vergleichbare Kombination aus Mediendaten, NLP Technologie und Finanzmodellen. Viele Firmen versprechen Kunden «Actionable Insights» aus Big Data zu liefern, bleiben aber den Beweis meist schuldig. Wir tun das und sind mit unseren Signalen seit drei Jahre live, und der Fond ist auch seit über einem Jahr erfolgreich am Markt, das sind Merkmale die schwer zu kopieren sind.

Kann in der Praxis eine systematisch bessere Performance erzielt werden? Um wie viel Prozent steigt der Investmenterfolg konkret?

Wir sind keine Daytrading-Applikation und bieten ein auf der Medienstimmung basierendes Frühwarnsystem an, was zum Ziel hat, das Risikomanagement zu verbessern. Wie stark die Verbesserung ausfällt, muss individuell auf den Kunden bezogen betrachtet werden, da die Signale von unseren Kunden in unterschiedlicher Weise eingesetzt werden.

Zur Rendite: Wie will Yukka Lab mit seiner Idee Geld verdienen – über Lizenzgebühren? Ja, genau. Wir bieten einerseits unsere Plattform im SaaS-Modell gegen eine Lizenzgebühr pro Nutzer an und wir verfügen andererseits für institutionelle Kunden über eine API, wo je nach Verwendungszweck über eine Pauschale abgerechnet wird.

Warum kommen Sie ausgerechnet zum Investor Summit nach Liechtenstein, um Investoren zu suchen?

Einer der Sponsoren des Events «Equitypitcher» hat bei uns investiert und sie haben uns die Veranstaltung ans Herz gelegt, weil wirklich gute Leute vor Ort sind. Liechtenstein ist für uns ein interessanter Markt mit vielen potenziellen Kunden.

Sie haben schon erste Finanzierungsrunden hinter sich.Wie viel Geld wurde bereits investiert?

Wir hatten eine erste Runde, in der wir 750000 Franken eingesammelt haben. Das war das Geld, das wir benötigten, um unser Team aufzubauen und die Software aufzubauen. Dann kam es zu einer Investmentrunde, in der wir 1,5 Millionen eingesammelt haben.

Was erwarten Sie sich vom Investor Summit in Schaan?

Wir möchten zusätzliche Investoren gewinnen, die eine Viertelmillion oder mehr investieren, um die Geschwindigkeit der Weiterentwicklung hoch zu halten und das Geschäft zu skalieren.

Was ist das nächste grosse Ziel, das Sie und Ihre Mitgründer erreichen möchten? Wir möchten 2019 unser News & Trend Lab erfolgreich auf den Markt bringen und aufzeigen, dass wir hier an einem global skalierbaren Geschäftsmodell arbeiten, das sowohl in verschiedenen Use Cases als auch Regionen funktioniert.

Die Gründer Andreas Pusch, Oliver Berchthold und Christian Richter kommen zum Investor Summit nach Schaan, um einen weiteren Geldgeber für ihr Start-up namens «Yukka Lab» zu finden (v. l.).